Wir glauben an einen Gott, der sich weigert, uns der Dunkelheit und der Verzweiflung zu überlassen. Ist dem wirklich so?

Was wir derzeit im Land und in der Welt erleben, raubt uns Lebensfreude, Kraft und Mut, macht Angst und lässt nicht wenige Menschen verzweifeln. Die gesellschaftlich-politische Lage könnte uns umhauen, wenn da nicht die uralte Erzählung von den Sterndeutern wäre.

Sie sind längst auf dem Weg, bevor das Kind zur Welt kommt, weil sie ein Zeichen am Himmel gedeutet haben. Sie greifen nicht nach den Sternen, sondern forschen nach der Bedeutung der Lichtzeichen, lassen sich von ihnen in Bewegung bringen. Sie lassen sich auf neue Erfahrungen ein und behalten die Hoffnung, als sie den Wegweiser-Stern aus dem Blick verloren haben.

Kennen wir das nicht auch, dass wir uns manchmal im Kreis drehen und nach der Richtung suchen, die uns zum Lebensziel führt?

Als die Sterndeuter der biblischen Geschichte ihren Stern aus dem Blick verloren hatten, waren sie sich nicht zu schade, bei Fremden anzuklopfen und um Hilfe zu bitten. Und das, was sie hörten, brachte sie wieder auf den Weg, wobei sie sorgsam die Lüge von der Wahrheit unterscheiden mussten.

Mich erinnert ihre Erfahrung an Menschen unserer Tage, die sich nicht zu schade sind, bei Fremden anzuklopfen und ihre Hilfe in Anspruch zu nehmen. Und an die vielen offenen Türen und Herzen, die sich unermüdlich auftun und Hilfe ermöglichen. Ich sehe uns dabei auf dem Weg hin zum Kind, das wir in der Armut des Stalls und unseres Herzens finden werden.

Wir jammern viel über „schlechte Zeiten“. Ja, wir stehen vor großen Herausforderungen; Veränderungen kündigen sich an, die unseren Mut, unser Engagement, unser Umdenken und Handeln, die das Beste in uns wachrütteln und aus uns herauslocken möchten. Wenn wir auf dem Weg bleiben, der uns vom Himmel gewiesen wird, werden wir – wie die Sterndeuter – das „Lebens-Kind“ schon finden.

Sr. M. Josefa op